Im Dialog mehr Lebensqualität schaffen

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in städtischen Lagen sowie der Bedarf nach neuen Formen von Wohnen und Nachbarschaft führen zu innovativen Ansätzen in der Arealentwicklung. Die Industriestrasse Luzern ist eines der aktuellen Beispiele, bei dem neue Kooperationen und partizipative Planungsformen getestet werden. Im Dialog mit allen Beteiligten kann so für die Quartierbevölkerung mehr Lebensqualität geschaffen werden, wie die Evaluation der Dialogphase durch die Hochschule Luzern zeigt.

In Luzern plant die «Kooperation Industriestrasse Luzern» – ein Zusammenschluss von fünf unterschiedlichen Wohnbaugenossenschaften – eine genossenschaftliche Wohnüberbauung auf dem zentral gelegenen ehemaligen Werkhof-Areal. 2012 wurde der geplante Verkauf des Areals durch die Stadt mit einer Volksinitiative verhindert. Diese gab vor, dass das Areal im Baurecht an gemeinnützige Wohnbauträgerinnen und Wohnbauträger abgegeben werden müsse. Die Initiative wurde durch die «Interessen Gemeinschaft Industriestrasse» (IGI) eingereicht.

Areale als Bestandteile lebendiger Stadtteile konzipieren
Der erste Schritt im Planungsprozess war der offene Planungswettbewerb. Im Wettbewerbsprogramm wurden Qualitäten beschrieben, die aus der Zwischennutzung in die neue Bebauung transferiert werden sollten.
Zwischen Wettbewerb und Bauprojekt fand von 2018 bis 2020 die sogenannte Dialogphase statt. Im Rahmen von Dialoganlässen für Beteiligte und eine interessierte Öffentlichkeit flossen die Vorstellungen der potenziellen zukünftigen Nutzenden in die Planung ein.

Ein interdisziplinäres Team der Hochschule Luzern begleitet und evaluiert die Dialogphase. Dabei zeigte sich: Ein solcher partizipativer Planungsprozess ist aufwändig. «Der Aufwand lohnt sich aber», bestätigt Thomas Steiner, Projektleiter der Hochschule Luzern. Durch den Dialog mit allen Beteiligten sei die Planung breit abgestützt und entspreche den Bedürfnissen der zukünftigen Nutzenden. «Wichtig ist, dass sich die Planerinnen und Planer dem dialogischen Verfahren anpassen», so der HSLU-Experte. Die Planenden erhalten zusätzlich eine neue Rolle als Vermittlerinnen und Vermittler der Architektur und sind im dialogischen Aushandlungsprozess beratend tätig. Zudem müssen sie die Nutzungsvorstellungen der Partizipierenden in architektonische Konzepte übersetzen. Für die Stadtentwicklung ist die integrale Sichtweise im kooperativen Prozess ein Gewinn: Areale werden als Bestandteile zukünftiger, lebendiger Stadtteile konzipiert und bereits in der Planungsphase mit dem umliegenden Quartier verknüpft. Dabei werden die vorhandenen sozialräumlichen Qualitäten berücksichtigen und erhalten. Dies bedingt eine Planungskultur, die zivilgesellschaftliches Engagement nicht nur mit einbezieht, sondern auch anerkennt. So wird Lebensqualität für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen geschaffen.
Die Evaluation wurde von der Kooperation Industriestrasse Luzern in Auftrag gegeben und durch das Bundesamt für Wohnungswesen sowie die Stadt Luzern co-finanziert.

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